Der Einsatz von Energie ist im Alltag vielfältig notwendig. Die Erzeugung von Energie durch Methoden regenerative Energiequellen zu nutzen wird nicht immer angewendet. Doch unser Anspruch an das Prinzip von ökologischem Wirtschaften wird durch den Einsatz von Windenergie und die Nutzung von Sonnenenergie, Rechnung getragen.

- WINDKRAFTANLAGE -

Bismarker ficht einsamen Kampf für Windkraft aus
Traditioneller Energieanschluss wird Familie Klinger zu teuer

Bismark (EB/R. Marten). Für Udo Klinger, der in einem Ausbau bei Bismark wohnt, gibt es derzeit nichts Imposanteres, als die weißen Flügel eines Windrades vor blauem Himmelsgrund. Fast täglich hat er hinter seinem Grundstück die nur wenige hundert Meter entfernte Retziner Anlage im Blick. Der Koloss ragt wie die ?Mühle" in Demnitz bei Ferdinandshof einsam in die Höhe. ?Wir sind eben nicht Brandenburg. Da geht man mit Investoren für Windkraft ganz anders um", kommentiert der Bismarker die spärliche Entwicklung auf dem regionalen Windkraftmarkt. 1992 habe er sich für Mecklenburg entschieden und dort wolle er auch ?seine Anlage" installieren, zumal ?die Windverhältnisse so gut sind, wie in Nordfriesland" zitiert der junge Mann ein eigens in Auftrag gegebenes Windgutachten für sein Grundstück. Sein Interesse für die alternative Energie erwuchs dabei aus einem Arger, der zwischenzeitlich sechs Jahre alt und trotzdem sehr aktuell ist.


Seit Januar (1998) steht die vormontierte kleinere Windkraftanlage auf Klingers Hof bei Bismark. Sie soll einmal den Strom zum Heizen liefern. Foto: Marten

 

Pasewalker Zeitung vom 17. April 1998

E-Leitung aus der Muna

Als Familie Klinger 1992 im Bismarker Wiesengrund Haus und Hof erwarb, ahnte sie eine Schwierigkeit nicht: Das Grundstück wurde seit 1947/48 über eine aus dem Munagelände zusammengeklaubten Leitung mit Elektroenergie versorgt. ?Waschen mit der Maschine und Fernsehen - das geht in der Regel nicht", beschreibt der Bismarker die Situation. Also stellte er beim Energieversorger, der Müritz-Oderhaff AG (EMO) einen Antrag für einen größeren Leitungsquerschnitt, um die Energieversorgung zu verbessern. Was dann folgte, verschlug dem Neu-Vorpommer die Sprache. Für etwa 1.100 Meter Leitung (25 kW) berechnete der Energieversorger der Familie anteilige Kosten in Höhe von 27.000 Mark. Das war 1992. Verständlich, dass die Familie, die gleichzeitig das Wohnhaus komplett rekonstruierte, und dazu noch die Landwirtschaft im Nebenerwerb aufbaute, keine Luftsprünge unternahm. 1994 unternahmen Klingers einen zweiten Anlauf und kamen erneut aus dem Staunen nicht heraus: Ihr Anteil für eine neue Leitung war jetzt auf 29.000 Mark gestiegen.

Klingers, nicht bange, beschwerten sich daraufhin im Schweriner Wirtschaftsministerium. Die Antwort kam nach einer Prüfung prompt: Alles, was die EMO berechnete, sei rechtens, hieß es im Antwortschreiben. ?Glauben will ich das bis heute nicht", kommentiert Udo Klinger diese Aussage. Die Stromversorgung des Hofes hatte sich in den Jahren keinesfalls gebessert. Also wurde 1997 erneut ein Anlauf unternommen, um das marode Leitungssystem auszuwechseln. Jetzt hatte sich Klingers Anteil, so die Kostenaufstellung der EMO, auf 60.515 Mark erhöht. Für diese Summe sollte die Leitung verlegt werden, doch laut Vertragstext hätte die Familie für alle einmal folgenden Reparaturen alleine auf kommen müssen.

Eine solche Summe zwingt ganz einfach zur Suche nach Alternativen. Ein Prospekt des Energieversorgers Schleswag, die aufzeigt, wie Windgeneratoren für die Hausversorgung genutzt werden können und trotz hoher Investition einmal Geld zu verdienen ist, ließen dem jungen Mann das Pferd neu aufzäumen. Immerhin ist die EMO durch das Stromeinspeisungsgesetz gezwungen, erneuerbare Energien aufzunehmen und zu vergüten.

Kleine Anlage vor Ort

Wenn also investieren, dann richtig, war sich das junge Ehepaar einig. Für eine E-40 Anlage der Firma Enercon wie sie bei Retzin steht, sind etwa 1,2 Millionen Mark erforderlich. Waren die hiesigen Banken skeptisch, so zeigten sich die in Nordbrandenburg entgegenkommender. In der Gemeinde fand der Bauantrag Zustimmung, doch im Planungsamt der Kreisverwaltung, Bereich Naturschutz ?lehnte man diese Investition reinweg ab". Lärmbelästigung, Vogelschlag, Scheuchwirkung wurden dafür als Gründe genannt. Rückendeckung gab dem Kreis das Amt für Raumordnung in Greifswald, in deren Ablehnung es hieß, der Antrag stimmte ?nicht mit den Zielen der Raumordnung und der Landesplanung überein." Auch die EMO ?mauerte" kräftig, denn sie verlange ein zusätzliches Transformationenwerk, um die Energie aufkaufen zu können. Udo Klinger will jetzt die Runde der Bürokratie, beginnend in der Gemeinde, erneut drehen. Denn, so weiß er bereits, Investitionen in Windkraft lohnen sich und können nach Jahren eine sehr gute Altersabsicherung einbringen.

Zuerst will er jedoch seine kleinere Anlage, die auf dem Hof bereits vormontiert ist, durch die Behördenstuben bringen. ?Leider dient sie nur dazu, Strom zum Heizen zu gewinnen", erzählt er. Die Anlage lief bereits zehn Jahre in Nordfriesland und hat sich dort bestens bewährt", schwärmt er. Weiße Flügel vor blauem Himmel - seinen Traum sieht er greifbar nahe.

 

- SOLARANLAGE -

Pasewalker Zeitung vom 11. November 1999

Solarzellen heißt das Zauberwort
Anlage läuft auf Bismarker Hof ohne Störungen

Bismark (EB/S. Böhrn). Lampen brennen auf dem abseits gelegenen Hof der Familie Klinger im Bismarker Wiesengrund. Die Waschmaschinentrommel dreht sich gleichmäßig und irgendwo lauft ein Fernseher. Das war nicht immer so selbstverständlich. Hausherr Udo Klinger erinnert sich zurück: ?Seit wir auf diesem Hof wohnen, hatten wir immer Probleme mit der Stromversorgung. Es war nie möglich, Waschmaschine und Fernseher gleichzeitig laufen zu lassen. Von landwirtschaftlichen Maschinen ganz zu schweigen." Dies liege an der uralten Stromleitung, wie Udo Klinger zu berichten weiß. Sie sei im Jahre 1946, gleich nach dem Krieg, von dem damaligen Grundstücksbesitzer selbst zusammengebastelt worden. ?Die Stromzufuhr aus dieser Leitung reichte nicht hin und her."
Riesige Solargeneratoren mit einer Fläche von 75 Quadratmetern wurden auf dem Hausdach von Udo Klinger in Bismark installiert. Sie sorgen für Strom auf dem gesamten Grundstück.


Generator überflüssig

Doch jetzt hat Udo Klinger eine Lösung für dieses Problem gefunden: Solarzellen heißt das Zauberwort. Es ist kaum zu glauben", meint er begeistert. ?Ich stelle irgendein elektrisches Gerat an und es läuft. Ohne dass ich den Generator zur Hilfe nehmen muss, oder dass gleich das ganze System zusammenbricht. 1992 hatte mir die EMO angeboten, einen neuen Stromanschluss zu legen. Doch da diese Maßnahme 150.000 Mark gekostet hätte, und ich 70 Prozent davon selbst hätte bezahlen müssen, kam diese Variante nicht in Frage", erklärt Udo Klinger. Vor etwa einem Jahr sei dann der Vorschlag mit der Solaranlage von der Firma AdREM gekommen. Anfangs war ich gar nicht so begeistert von dem Projekt", gibt Udo Klinger zu.
Den entscheidenden Anstoß habe endlich die Tatsache gegeben, dass das Wirtschaftsministerium Mecklenburg - Vorpommern den Bau von Solaranlagen fördert. 140.000 Mark habe die Anlage gekostet. Davon wurden 46.000 Mark vom Wirtschaftsministerium gesponsert.

Programm ist zinslos

Das "Hunderttausend-Dächer-Programm" stellte einen Zuschuss von weiteren zehn Prozent und ermöglichte somit die Restfinanzierung, indem keine Zinsen verlangt wurden.
"Letztendlich musste ich etwas über 70.000 Mark selbst aufbringen. Dafür kostet mich jedoch der Strom in Zukunft nichts mehr", zeigt sich Udo Klinger zufrieden. Und so stand der Errichtung der größten autarken Solaranlage Nord-Ost-Deutschlands nichts mehr im Wege. Riesige Solargeneratoren mit einer Fläche von 75 Quadratmetern wurden auf dem Hausdach installiert. "Die Solarzellen erzeugen in Abhängigkeit von der Sonneneinstrahlung Gleichstrom", erklärt Sven Tetzlaff. "Dieser wird über Laderegler in Batterien befördert und dort gespeichert. Je nach Bedarf wird dann aus den Batterien entweder Dreh- oder Lichtstrom entnommen. Das Ganze habe eine Dimension, die sich nicht mehr mit den kleinen Zellen in einem Parkscheinautomaten vergleichen lasse. Seit einem Monat läuft die Anlage jetzt völlig störungsfrei", betont Udo Klinger.

Strom ausreichend

Obwohl die Sonne zu dieser Jahreszeit nur selten scheint, hat die Anlage in diesem Zeitraum etwa 480 Kilowattstunden Strom erzeugt. Mit leuchtenden Augen schaltet Udo Klinger eine große Kreissäge ein und freut sich über deren gleichmäßiges Brummen, für das er noch vor einem Monat entweder mühselig einen Generator hätte in Gang setzen müssen, oder einen Totalausfall sämtlicher anderer technischen Geräte riskiert hätte.
Startseite |  Landwirtschaft |  Handel |  Veranstaltungen |  Übersetzungen |  Anfahrt |  Kontakt |